Rehabilitation organtransplantierter Kinder in der Corona-Pandemie: Studie abgeschlossen

Die Ergebnisse der Studie, die in einem auf organtransplantierte Kinder und Jugendliche spezialisierten Rehabilitationszentrum durchgeführt wurde, verdeutlichen: Eine Sichere Reha ist unter Einhaltung eines Hygiene- und Sicherheitskonzepts auch in Pandemiezeiten grundsätzlich möglich. Gerade in Bezug auf die mit der SARS-CoV-2-Pandemie verbundene soziale Isolation und die generelle Unsicherheit im Hinblick auf die Gesundheit der Kinder ist es daher angezeigt, ein solches Angebot aufrecht zu erhalten.

Forschende der GWS – Gesundheit, Wissenschaft, Strategie GmbH und der Universität Bayreuth haben die Wiedereröffnung des auf Kinder und Jugendliche vor und nach Organtransplantationen und deren Familien spezialisierten Rehabilitationszentrums Ederhof im österreichischen Osttirol begleitet und wissenschaftlich untersucht. Dazu wurde eine von der Dr. August und Erika Appenrodt-Stiftung geförderte sozialempirische Studie durchgeführt: Im Rahmen telefonischer Interviews im Zeitraum Juni bis August 2020 wurde neben immunsupprimierten jungen Patient*innen und deren begleitenden Erziehungsberechtigten auch das Fachpersonal des Reha-Zentrums befragt. Die Forscher*innen interessierten sich dabei insbesondere dafür, wie die Genannten die weitreichenden Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie erlebten und welche Auswirkungen diese auf verschiedene Lebensbereiche sowie die medizinische Versorgung hatten. Auch das Sicherheitsempfinden und die Präferenzen der genannten Personengruppen waren Schwerpunkte der Interviews.

Die Studie zeigt: Mit der Pandemie gehen enorme Belastungen für die befragten Personen einher. Sie berichten von Verunsicherung, Ängsten, Bedenken und Sorgen. Insbesondere das Fehlen sozialer Kontakte und der damit verbundene Wegfall einer Alltagsstruktur in Form von Berufstätigkeit, Schulbesuch und Hobbys haben die Lebensrealität von Kindern vor und nach Organtransplantationen und deren Familien, aber auch von Mitarbeitenden des Reha-Zentrums verändert. Demgegenüber stehen die Dankbarkeit und Freude über die Wiederaufnahme des Reha-Betriebs und damit die Möglichkeit des Antritts der Reha-Maßnahme. Auch der soziale Austausch in einem sicheren Umfeld spielt – gerade nach Zeiten der sozialen Isolation – eine wichtige Rolle. Die Freude darüber berichtet ein Kind im Interview: „Ja, es ist halt schön, so wieder neue Leute kennenzulernen, wieder etwas näher zu kommen, dass man wieder Anschluss hat zu anderen Personen oder in meinem Alter sogar.“ Insgesamt wird deutlich: Unter den Kindern, Eltern sowie Beschäftigten gibt es jeweils große Unterschiede. So erlebten die Forscher*innen etwa bei den Eltern die volle Bandbreite – von Ängstlichkeit bis Zuversicht.  

Das Angebot einer sicheren Rehabilitation für immunsupprimierte Kinder und deren Familien erweist sich in aktuellen Zeiten als besonders bedeutsam: Gerade in Bezug auf die mit der SARS-CoV-2-Pandemie verbundenen sozialen Isolation und die generelle Unsicherheit im Hinblick auf die Gesundheit der Kinder ist es dringend angezeigt, ein solches Angebot aufrecht zu erhalten. Die Bedeutung der rehabilitativen Medizin wird in dieser Hinsicht durch die Pandemie unterstrichen, sie ist wichtiger denn je, so Professor Nagel: „Das wird offensichtlich, wenn man sich eine Situation vorstellt, in der Kinder nach erfolgter Organtransplantation nach Hause entlassen werden und dort – ohne vorherige Reha – den Alltag unter „Corona-Bedingungen“ bestreiten sollen.“ Vor diesem Hintergrund muss die Sicherstellung des Angebots im Hinblick auf die hohe Bedeutung für die Entwicklungschancen dieser jungen vulnerablen Patient*innen Priorität haben. Voraussetzung dafür ist, dass eine adäquate Infektionsprophylaxe garantiert werden kann.

Dem entwickelten Hygienekonzept des Reha-Zentrums gegenüber wird eine hohe Akzeptanz – sowohl von den Kindern und deren Eltern als auch von den Mitarbeiter*innen – entgegengebracht. Zusammenfassend konnte gezeigt werden, dass die Befragten die Reha auf dem Ederhof als sicher empfunden haben. Während des Untersuchungszeitraums gab es keinen Corona-Fall auf dem Ederhof. Auch dies deutet darauf hin, dass die Rehabilitation in dieser spezifischen Situation für junge Patient*innen, die einer Risikogruppe angehören, erfolgreich durchgeführt werden konnte.

In diesem Kontext ist darauf hinzuweisen, dass die sozialempirische Untersuchung von regelmäßigen Corona-Tests, einem Infekt-Screening im Rahmen einer strukturierten Selbstanamnese und der obligatorischen medizinischen Begleitung flankiert wurde. Detaillierte Ergebnisse der Studien werden in Kürze im Rahmen eines öffentlich zugänglichen Ergebnisberichts sowie wissenschaftlichen Publikationen veröffentlicht.

Autoren: Sarah Ströhl, Dr. Michael Lauerer, Prof. Dr. mult. Eckhard Nagel

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